Internationale Thomas Mann-Tagung 2025, Tag 3: Identität und Politik

Tag 3 der Internationalen Thomas Mann-Tagung 2025 widmet sich Manns internationaler Identität, seiner Beziehung zum Zionismus und Kolonialismus.

Ort

Kolosseum Lübeck
Kronsforder Allee 25
23560 Lübeck

Datum

Samstag, 7. Juni 2025
10:00 Uhr

Typ
Konferenz
Sprache
De
Veranstalter

Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft

Barrierefreiheit
Accessible
Close to public transport

Die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft lädt anlässlich des 150. Geburtstags von Thomas Mann vom 05. - 08. Juni 2025 zur großen Jubiläumstagung nach Lübeck ein. Thomas Manns Leben war stark geprägt durch die politischen Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Welterfolg und Emigration machten ihn zum Kosmopoliten und Vielreisenden. Die internationale Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft widmet sich im Jubiläumsjahr sowohl Manns Entwicklung vom reichstreuen Konservativen zum Vernunftrepublikaner bis hin zum überzeugten Demokraten als auch seiner internationalen Identität. Dabei lässt sie nicht die eigenen stereotypen Vorurteile aus, vor denen Thomas Mann trotz der brasilianischen Abstammung und Einwanderungserfahrung seiner Mutter und eigener Migrationserfahrung nicht gefeit war. Die Tagung diskutiert aber auch, gemeinsam mit dem Netzwerk Thomas Mann International und Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt, Gegenwart und Zukunft der Forschung sowie Thomas Manns bis heute gültige Wirkmächtigkeit.

TAG 3

10 Uhr
Einführung: Thomas Mann – Ein Mensch mit internationaler Geschichte
Die internationale Identität von Thomas Mann ergibt sich zum einen aus der brasilianischen Abstammung und Einwanderungserfahrung seiner Mutter und zum anderen durch die erzwungene Emigration. Die eigene Migrationserfahrung hat Thomas Mann jedoch nicht umfassend gefeit vor eigenen stereotypen Vorurteilen.
PD Dr. Irmtraud Hnilica (FernUniversität Hagen)

10.15 Uhr
Thomas Mann und der Zionismus
Thomas Manns vielseitiges politisches Engagement spiegelt sich in der Debatte um den Zionismus wie in einem Brennglas. Bereits in den Zwanzigerjahren war er Mitglied in einem prozionistischen Unterstützerverein. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich mit Nachdruck für die Gründung eines jüdischen Staates ein, der den Überlebenden der Shoah – deren Schrecken und Ausmaß Thomas Mann als einer der ersten Intellektuellen vor aller Welt benannt hatte –, eine sichere Heimstätte bieten sollte. Der Vortrag zeichnet die einzelnen Stationen dieser Entwicklung nach und bindet sie in den Kontext seines politischen Denkens und Handels im Ganzen ein.
Prof. Dr. Kai Sina (Münster)

10.45 Uhr
Thomas Mann und der Kolonialismus
Thomas Manns Familiengeschichte ist eng mit der Geschichte des Kolonialismus und der Sklaverei verbunden. Seine Werke reflektieren diese Verbindung in ihrer Spannung zwischen Affirmation and Analyse von Exotisierung und Rassismus. Können wir Thomas Mann, den Deutsch-Brasilianer, vor dem Hintergrund aktueller identitätspolitischer Fragen neu lesen?
Dr. Veronika Fuechtner (Dartmouth College, USA)

11.15 Uhr Kaffeepause

11.45 Uhr
Ambivalenzen – Ethnische Identifikationen bei Thomas Mann
Wie vielschichtig und zum Teil widersprüchlich Thomas Mann sich einerseits selbst biografisch identifizierte und andererseits von außen wahrgenommen wurde, diskutieren PD Dr. Irmtraud Hnilica, Dr. Veronika Fuechtner und Prof. Dr. Kai Sina.
Moderation: Sandra Kegel (FAZ)

13.00 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr
Mitgliederversammlung Junges Forum Thomas Mann

15.00 Uhr
Mitgliederversammlung Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft

16.30 Uhr Kaffeepause

20.00 Uhr
Zeitsprünge – Standpunkte
"Fabeln, Wahnbilder, Hirngespinste" - Verschwörungserzählungen und ihre Gefahr für die Demokratie
Das Format will literarische Texte der Manns mit aktuellen Debatten der Gegenwart verknüpfen. Unter dem Titel „Fabeln, Wahnbilder, Hirngespinste“ – Verschwörungserzählungen und ihre Gefahr für die Demokratie geht es im Anschluss an den Doktor Faustus um die Gefahren von Verschwörungserzählungen für das politische wie gesellschaftliche Miteinander. Thomas Manns Doktor Faustus verhandelt am Beispiel des Kridwiß-Kreises – ein Herrentreffen benannt nach seinem Gastgeber Sixtus Kridwiß – die Gefahr von Verschwörungserzählungen für das politische und menschliche Gemeinleben. Wissenschaft und Forschung werden verächtlich gemacht, Glauben zum Primat gegenüber Kritik und Vernunft. Der Siegeszug wahnhafter Mythen und Narrative führt schließlich zu einer im Roman durchaus gewünschten „Re-Barbarisierung“. Spätestens seit der Wortprägung der „alternativen Fakten“ in der Präsidentschaft von Donald Trump, spätestens seit den Diskussionen in der Corona-Pandemie über Chips, die via Impfstoff in menschliche Körper implantiert werden, und aller spätestens seit dem Angriff auf das Kapitol, an dem Anhänger der QAnon-Bewegung maßgeblich beteiligt waren, ist offenkundig, dass das Irrationale wieder politisch wirkmächtig ist – von den wiederkehrenden antisemitischen Narrativen um ein angebliches ‚Weltjudentum‘ und eine vom Staat gesteuerte „Lügenpresse“ ganz zu schweigen.
Zeitsprünge - Standpunkte ist eine Kooperation zwischen der dem Förderverein des Buddenbrookhauses, der Heinrich Mann-Gesellschaft und der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Buddenbrookhaus.
Gäste: Annika Brockschmidt (Journalistin) und Thomas Laschyk (Gründer des Volksverpetzer-Blogs)
Moderation: Dr. Tim Lörke
Lesung: Michael Fuchs (Theater Lübeck)

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