Heinrich Mann stehend, Thomas Mann sitzend.

Von Thomas Mann handschriftlich auf der Rückseite notiert: "Heinrich Mann / München um 1900".

Der Bruderstreit im Hause Mann – Im Briefwechsel zwischen Thomas und Heinrich Mann

Eine literarische Reise durch die bewegte Beziehung der Brüder Mann: Von der gemeinsamen Kindheit in Lübeck über künstlerische Rivalität und politische Gegensätze bis zur Versöhnung im Exil. Peter Schröder und Michael Schütz lesen aus dem Briefwechsel von Thomas und Heinrich Mann, der persönliche Einblicke und ein Spiegelbild der turbulenten deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts bietet.

Ort

Holzhausenschlösschen
Justinianstraße 5
60322 Frankfurt am Main

Datum

Donnerstag, 30. Januar 2025
19:30 Uhr

Typ
Lesung
Vortrag
Sprache
De
Veranstalter

Frankfurter Bürgerstiftung Holzhausenschlösschen

Barrierefreiheit
Accessible
Live streaming

Diese Veranstaltung widmet sich dem faszinierenden und oft spannungsgeladenen Briefwechsel zwischen Thomas und Heinrich Mann. Die Lesung lässt die historischen und persönlichen Konflikte der Brüder lebendig werden und zeigt, wie sich ihre Beziehung – trotz aller Unterschiede – in der gemeinsamen literarischen und politischen Verantwortung erfüllte. Die Briefe gewähren dabei nicht nur intime Einblicke in das Leben zweier Ausnahmepersönlichkeiten, sondern spiegeln zugleich die gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider.

Es lesen Peter Schröder und Michael Schütz
Konzeption und Einführung: Ruthard Stäblein

„Brüder sein, das heißt: Zusammen in einem würdig provinziellen Winkel des Vaterlandes kleine Jungen sein und sich zusammen über den würdigen Winkel lustig machen. Heißt dann: einzeln, aber immer in organischer Verbundenheit und im Gedanken aneinander, hineinwachsen, hineinaltern“ durch das Werk, „sich aus dem Einzeldasein wieder zueinanderfinden, sich lächelnd anblicken“. – Mit diesen Worten gratuliert Thomas Mann seinen um vier Jahre älteren Bruder zum 60. Geburtstag.

Beide Brüder sind gemeinsam in Lübeck aufgewachsen. Beide haben zwei prägende Jahre gemeinsam in Italien verbracht. Aber dann gehen ihre Wege durch gegensätzliche Werke auseinander. Der jüngere Thomas schreibt seinen Familienroman „Buddenbrooks“ und hat unmittelbar Erfolg. Der ältere Heinrich verfasst erotisch aufgeladene Romane im Zeitgeist der „décadence“, wie „Jagd nach Liebe“, und wird weniger beachtet. Nur Thomas erregt sich in einem Brief an den Bruder: „Diese schlaffe Brust in Permanenz, dieser fortwährende Fleischgeruch ermüden, widern an.“ „Nur Affen und andere Südländer können die Moral überhaupt ignorieren.“

Während des 1. Weltkriegs spitzt sich der Streit zwischen den Brüdern zu. Heinrich schaut gen Westen, preist die französische „Zivilisation“, Emile Zola, die westliche Demokratie, den Fortschritt. Thomas wendet sich dem Osten zu, dem unverdorbenen Russland, Dostojewski, der „deutschen Kultur“. Er erfindet dafür den Kampfbegriff einer notwendigen „konservativen Revolution“, der übrigens aktuell wieder von rechtsextremen Nationalisten aufgegriffen wird.

Dann aber schreibt Thomas am „Zauberberg“ und er beginnt, humanistische Werte der Aufklärung und die von Rechtsnationalen angegriffene Demokratie der Weimarer Republik zu verteidigen.

Die beiden Brüder finden wieder zueinander und versöhnen sich endgültig im amerikanischen Exil und im Kampf gegen die nationalsozialistisch-deutsche Barbarei. Der Jüngere hilft dem Älteren auch finanziell. Nur über den Frauengeschmack von Heinrich rümpft Thomas Mann weiter die Nase.

 

Bildnachweis

ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Atelier Elvira / TMA_0017

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